... is that really everything???

Kapitel V.

"Sera? Träumst du schon wieder vor dich hin?" Erschrocken sah ich, dass Mira wiedergekehrt war und mich besorgt musterte. "Muss ja ein schlimmer Tagtraum sein wenn er dich zum weinen bringt."
Ohne ihr eine Antwort zu geben, stand ich ruckartig auf, zog sie an mich und umarmte sie: "Lauf bitte nie wieder weg, ja?! Wie soll ich dich denn beschützen können wenn ich nicht mal weiß, wo du dich aufhälst?!" Langsam fand ich wieder meine gewohnte Fassung, wischte mir unauffällig die letzten Tränen aus den Augen und hob meine Kleine schwunghaft in die Höhe. Ich wusste, dass sie das hasste, aber sie war so leicht und ihr verwirrter Blick brachte mich immer unweigerlich zum lachen. Nachdem ich sie wieder behutsam auf ihr Bett gesetzt hatte, blickte sie mich ungewöhnlich ernst an: "Du hast Recht Sera, es ist an der Zeit einen Entschluss zu fassen. Und meiner ist es, ein Mensch zu werden... jedoch mit der Voraussetzung, dass du mich begleitest." Ich hätte mit vielem gerechnet, hätte mich auf alles vorbereitet, doch damit nicht.
"Mira... wie stellst du dir das vor? Ich bin kein Halb-Engel mehr sondern lediglich dazu auserwählt, dein Gegenbild zu sein."
"Genau deswegen. Im Prinzip... gehörst du doch mir. Du bist mit mir verbunden, ob du willst oder nicht." Verblüfft über diese ihr so unähnlichen Worte, brachte mich ihr schelmisches Grinsen noch mehr ins Staunen. Mein Gesichtsausdruck forderte wohl mehr Erklärung von ihr. "Sieh mich doch nicht so fassungslos an Sera. Pass auf. Als ich vorhin im Hain war, ist mir wieder eine Geschichte meiner Familie eingefallen. In der Übergangszeit, als das Verbot mit den Menschen erst aufgekommen war, gab es natürlich immer noch viele Pärchen, die sich zwischen beiden Welten entscheiden mussten. Neben den vielen Trennungen und Übergängen von Engeln in die sterbliche Welt, gab es auch hier und da Fälle, die unserem ähneln, wo es nicht nur um Partnerschaft sondern um Freundschaft ging. Leider weiß ich nicht mehr genau, wie die Lösung ausgesehen hat, aber ich denke, dass wir das in der Bibliothek nachlesen können."
Nach stundenlanger Suche hatten wir endlich das Buch in Händen, was uns unseren weiteren Weg weisen sollte. Das Verzeichnis der Engel war riesig genug, um zwar alles was je geschehen war, ob in unserer oder in der menschlichen Welt, zu finden, aber ebenso um sich darin zu verlaufen. Ich spürte eine gewisse Anspannung zwischen Mira und mir, vielleicht aus Angst was aus uns werden würde, vielleicht auch vor Aufregung, da uns eine einschneidende Veränderung bevorstand. Wie dem auch sei, überließ ich es meiner Freundin, die unzähligen Seiten des Buches zu durchsuchen während mir unweigerlich die verschiedensten Vorstellungen durch den Kopf strömten.
"Ok, ich denke ich hab es gefunden. Hier steht..."
Mira las mir die unterschiedlichen Textstellen vor, doch nie kam eine Situation zu Wort, bei der es um den Übergang eines Halb-Engels mit ihrem Gegenbild gegangen wäre. Entweder wurde dessen Schicksal gar nicht erst erwähnt, oder dass sie lediglich wieder in die Zeit zurückgeschickt wurden.
"Siehst du Mira... es würde dir keiner verübeln, wenn du ohne mich in die Menschenwelt wechseln würdest... vor allem nicht ich. Ich hatte mein Leben und meine Chance. Nun ist es eben mein weiteres Schicksal als Gegenbild zu existieren. Aber du meine Kleine, hast deine Chance noch..."

22.11.07 19:32

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