... is that really everything???

Kapitel IV.

"Ach Mira... Wieso machst du´s dir nur so schwer?! Du weißt doch, dass ich alles für dich tun würde. Schließlich verdanke ich dir...", erschrocken tastete ich meine Wange ab, welche bereits heiß und nass von meinen Tränen war. "... ich verdanke dir doch mein Lächeln." Ja ich wusste von ihrer Möglichkeit ein Mensch werden zu können und auch war mir bewusst, was dies für mich heißen würde. Doch lieber würde ich Mira glücklich sehen als sie immer und immer wieder vor Leid, Kummer und Verzweiflung in den Armen halten zu müssen. Sie hatte es mehr als alle anderen verdient ihr Glück zu finden, denn sie ist die einzige in meinen Augen, die es wirklich zu schätzen wüsste. Wie oft habe ich Menschen wie Engel betrachtet, die keinen Grund zur Klage hatten, aber trotzdem nicht so ein schönes Lächeln besaßen wie meine Mira. Und was wäre ich für eine Freundin, wenn ich nicht so denken würde?!
Allein zurückgelassen von dem fliehenden Engel mit den eisblauen Augen, erinnerte ich mich an unsere erste Begegnung. Unwillkürlich verkrampfte sich meine Hand zu einer Faust in dem weißen Bettlaken. Damals gerade erst erwacht, wurde mir meine Aufgabe zugeteilt einen Halb-Engel zu beschützen. Ich fühlte mich aus unerklärlichen Gründen gedemütigt und als ich diese kleine, zerbrechliche und doch so strahlende Schönheit vor mir sah, fügte sich mein schlechtes Gewissen zu dem unwohlen Gefühl, was sich in meiner abweisenden Haltung wiederspiegelte. Sie musste es wohl sofort bemerkt haben, denn ihre Augen bekamen einen betrübten Ausdruck welcher mich noch mehr beschämte. Ich zog mich immer ratloser zurück, bis zu dem Tag, an dem Mira auf mich zukam, mein Gesicht in ihre Hände legte und mich tief mit ihren blauen Augen anblickte: "Wovor hast du Angst? Vor den dir so gefürchteten Gefühlen?! Vor meinen Gefühlen da ich die Schwäche der Menschen geerbt habe?!" Sie lächelte mich so unbeschreiblich warmherzig an, dass ich die schon zu lang zurückgehaltenen Tränen nicht mehr verstecken konnte. "Es gibt nichts wovor du dich fürchten müsstest, da ich dich nie alleine lassen werde, egal was passiert. Ich sehe dich nicht nur als mein Gegenbild, sondern ich möchte, dass wir Freundinnen werden." Sie behielt ihr warmes Lächeln, doch in ihren Augen konnte ich erkennen, wie ernst ihr dies war. "Du musst wissen, dass ich die Gabe besitze, Gefühle anderer Wesen zu erkennen und bei manchen auch zu deuten. Bereits an dem Tag deines Erwachens habe ich deutlich gespürt, wieviel Schmerz und Frust in dir liegen, denn du warst mal genauso ein Engel wie ich... du hattest dich in einen jungen Sterblichen verliebt, doch wähltest du weder diese noch die andere Welt, sondern den ewigen Schlaf." Ich war erstaunt, und obgleich sich die Erinnerungen wieder schmerzhaft in mein Herz bohrten, fühlte ich, dass sie es war, welche diese Wunden zu heilen vermochte. "Aber nun bist du an meiner Seite und die Zeit hat uns nicht unwillkürlich zusammenkommen lassen. Ich teile dein Schicksal und zusammen werden wir einen Weg finden, wieder Glück in unsere Herzen zu bringen."
Ab diesem Tag an wich ich ihr nicht mehr von der Seite, hielt alles Leid so gut ich konnte fern und erfüllte ihr jeden Wunsch. Nach Außen hin schien es, als wäre ich einfach nur ihr Gegenbild, als würde ich lediglich meine Aufgabe erfüllen, doch wir wussten beide, dass ich sie mindestens genauso brauchte. Dennoch konnte ich meine Abscheu vor diesem ungerechten Schicksal und dieser schmerzhaften Welt nie ablegen... mein Lächeln galt nur ihr, denn sie war es, welche mein Herz geheilt hat.

8.11.07 20:18

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