... is that really everything???

Kapitel III.

Oft wachte ich auf und sah Sera neben mir liegen. Unzählige Male hatte ich schon vorgeschlagen gehabt, dass wir ein größeres Bett in mein Zimmer stellen könnten, doch jedes Mal lehnte sie mit der Ausrede ab, sie würde nächste Nacht sowieso wieder in ihrem eigenen Bett schlafen. Sie blieb mir ein Rätsel, doch ihre Verschlossenheit, ihre Stärke die sie ausstrahlte, ihre ruhige Art bewunderte ich umso mehr. Was hätte ich nur oft ohne sie getan?! Sie half mir seit ich denken konnte mit meiner menschlichen Schwäche umzugehen, schlug mir keinen Wunsch ab und war immer irgendwie in meiner Nähe. Dabei schien es mir zu Beginn, dass sie ihre Aufgabe als Gegenbild an meiner Seite gar nicht erfüllen wollte, dass sie mich aus tiefstem Herzen gehasst hat, so wie sie heute noch die ganze Welt hasst. Ich sollte jedoch bald die Gründe für ihre abweisende Art erfahren und fand dadurch den Weg, mit ihr eine besondere und einzigartige Freundschaft aufzubauen.
Wenn ich sie so ruhig schlafen sah, mit ihren kurzen, schwarzen Haaren spielte, ihre roten Flügel zupfte bis sie aufwachte und daraufhin einen verärgerten Blick erntete. bekam ich immer das Gefühl, dass alles in Ordnung sei und mir nichts passieren könne. Ihre aufbrausenden und lebhaften Stimmungswechsel brachten mich immer zum Lachen, doch als ich heute morgen aufwachte, blickten mich bereits ihre tiefroten Augen an.
"Guten Morgen Kleines. Na, hast du dich wieder ein bisschen erholt nach deinem Zusammenbruch gestern Nachmittag?"
Wehmütig erinnerte ich mich wieder und schämte mich zugleich, meiner Schwäche so nachgegeben zu haben.
"Ja, mir geht´s gut. Tut mir Leid, dass ich dir wieder soviele Sorgen bereitet habe. Muss wohl einen schlechten Tag erwischt haben."
Ich senkte den Kopf und spürte Seras Hand auf meinem Rücken.
"Es braucht dir nicht Leid zu tun. Wofür hast du mich denn sonst und dieses Jahr backe ich dir wirklich Kekse."
Überrascht über diesen plötzlichen Themenwechsel blickte ich in das selten lächelnde Gesicht meiner Freundin.
"Ich will aber welche mit Schokoglasur... und Zuckerperlen und..."
" Ja ja, du und deine Sonderwünsche."
Eine seltsame Stille trat plötzlich zwischen uns ein, denn wir wussten beide, dass es an der Zeit war einen Entschluss zu fassen.
"Mira... du weißt genau wie ich, dass es mit dem Menschen-Jungen so nicht weitergehen kann. Du hast mir gestern gezeigt, wie sehr du bereits darunter leidest, und du weißt, dass es meine Pflicht ist das nicht zuzulassen."
"Aber..."
"Nichts aber. Du kennst die Möglichkeiten. Entweder du vergisst ihn oder..."
"Oder ich bringe dich um!"
Mit tränengefüllten Augen rannte ich aus meinem Zimmer nach draußen in den nächstgelegenen Wald. Ich wusste, dass Sera nur erweckt wurde, um mein Gegenbild zu sein, dass sie nur für mich existierte. Doch ich liebte sie wie eine Schwester. Für mich war sie nicht einfach nur mein Gegenbild, mein Begleiter oder mein Beschützer... sie war meine Freundin. Es war mir egal, dass diese Gefühle nur von meinem menschlichen Blut her rührten und mich dadurch kein anderer Engel verstehen würde. Ich wusste nur, dass ich sie niemals verlieren wollte.
Endlich an meinem Lieblingsplatz in einem Hain angekommen, setzte ich mich auf die moosbewachsene Fläche und versank weiter in meinen Gedanken. Sera wusste von der Tatsache, dass ich als Halbmensch die Wahl hatte, eines Tages zu einem richtigen Engel oder zu einem ganzen Menschen werden zu können. Sollte ich mich jedoch für die andere Welt entscheiden, würde ich Sera damit in die Zeit zurückschicken... ich würde sie nie wieder sehen. Doch seit meines Erwachens hatte ich mich nie als Engel, sondern immer als menschliches Wesen gesehen.

7.11.07 00:52

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