... is that really everything???

Kapitel II.

Um nicht ständig wie Geister in der Menschenwelt umherwandeln zu müssen, lebte mein Geschlecht in einer der Erde sehr ähnlichen Welt. Der einzige Unterschied lag darin, dass es keine Jahreszeiten gab, keine fallenden Blätter, keinen Schnee welcher den Boden weiß gefärbt hätte. Im Prinzip gab es keinerlei Zeiteinteilungen wie Jahre oder Wochen, nur Sonne und Mond zeigten uns den Wechsel eines Tages, wie die Menschen es nennen. Doch Zeit spielte für uns eine andere Rolle, da wir nicht alterten wie die Menschen, einen anderen Tod starben und nicht geboren wurden, sondern erwachten. Wir mussten nicht lernen, wir wussten bei unserem ersten Augenaufschlag. Wir besaßen keine Angst, fühlten keinen Schmerz, noch strebten wir irgendwelche Ziele an. Wir waren... einfach nur da.
Manchmal gab es jedoch Ausnahmen wie Miraphin. Sie entstammte einer Familie, welche sich damals noch mit dem Geschlecht der Menschen vermischt hatte. Da diese uns jedoch schwächer machen würden und die Angst, unsere Reinheit zu verlieren, zu groß war, wurde schon nach kurzer Zeit das Verbot verhängt, sich ihnen weiterhin zu offenbaren. Dennoch blieb das menschliche Blut bis heute in diesen Familien erhalten, was ich nur zu deutlich jeden Tag in Miras blauen Augen sehen konnte. Sie empfand Leid, ob es das meine, das eines anderen oder ihr eigenes war. Sie konnte aus tiefstem Herzen lachen oder sich über kleine Dinge freuen, aber vor allem hatte sie ein reges Interesse an der anderen Welt, weswegen sie mich jeden Tag aufs Neue anflehte, sie dorthin zu begleiten.
Gelegentlich beobachtete ich sie wenn sie gerade eingeschlafen war, ließ meinen Blick über ihr langes blaues Haar schweifen und glitt mit den Fingerspitzen über ihre weichen, weißen Flügel. Ich musste dabei oft in mich hineinschmunzeln, da der Audruck Gegenbild wohl nie zutreffender war wie bei uns beiden. Im Normalfall hieß dies lediglich ein Partner zu sein, ein Begleiter wenn nicht sogar ein Seelenverwandter, doch bei Mira und mir stimmte es wortwörtlich. Ich war wohl das genaue Gegenteil ihrer selbst und bis zu dem Tag wussten wir nicht, warum die Zeit genau uns zusammengeführt hatte. Trotz aller Gegensätze war ich dennoch stolz sie meinen Schützling nennen zu dürfen und ich glaubte... nein ich wusste tief in meinem Innersten, dass ich nicht das Wesen geworden wäre was ich heute bin, wenn sie nicht gewesen wäre.

6.11.07 22:56

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