... is that really everything???

Mein Referat für unsren Schul-Studientag

Bayern... eine reine Gewöhnungssache.
Das erste, was man einen „Ausländer“ (wie man hier so liebevoll jeden bezeichnet, der kein Bayer ist) fragt, ist „wos hoast denn Oachkatzlschwoaf?“. Nachdem man aber diese erste Hürde nach langer, heimlicher Recherche zu Hause gemeistert hat, wird man auch sogleich sorgfältig in jede Tradition eingeführt. Dabei sind 3 Regeln zu beachten:
1. Verehre das Weißbier.
2. Trinke das Weißbier.
3. Wenn kein Weißbier vorhanden, geh an die Bar.
Um zu beweisen, dass man die Regeln auch verstanden hat, wird man verpflichtet auf jedes Volksfest zu gehen, sonst würde das Ansehen in der Gesellschaft so ziemlich auf null herunter gesetzt. Gesagt, getan (als hätte man eine Wahl)... kaum versieht man sich, steht man, bemüht das Gleichgewicht zu halten, auf einer „Bierbäng“ und grölt die vorher einstudierten „Volksgesänge“ mit, wie „da samma dabei“ und „oana geht no, oana geht owei“. Was dabei natürlich nicht fehlen darf, ist der viel zu schwere, aber immer bis oben hin gefüllte Masskrug. Hier taucht ein merkbarer Nationalgedanke auf, denn sobald der Krug leer ist, braucht man sich keine Sorgen um den Nachschub machen, um den sich die umherstehenden abwechselnd kümmern.
Nachdem man sich nun mit dem Lebensstil der Bayern angefreundet hat, heißt es, sich mit den Einheimischen gut verstehen lernen. Leichter gesagt als getan denn Bayerisch ist nicht nur ein Akzent des Hochdeutschen, sondern vielmehr eine Fremdsprache. Das Problem besteht wie bei jeder neu zu erlernenden Sprache: das Aussprechen, das Schreiben und vor allem die Kunst, seine Muttersprache nicht dazwischen zu mischen (wobei mir dies wohl bis heute nicht so ganz gelungen ist). Der zweite Schritt besteht darin, Vorurteile aus dem Weg zu räumen, auf beiden Seiten. Hochdeutsch erscheint Bayern zumeist als hochnäsig, d.h. viel zu umständlich, da man jedes Wort „ganz“ ausspricht und viel zu langsam, da man auch jedes Wort im Satz beibehält. Ich habe mich schon sehr oft gefragt, wie sie es nur aushalten können Fernseh zu schauen. Auch die Bezeichnung „Saupreiß“ ist nicht sehr angenehm, aber wie heißt es so schön... der klügere gibt nach und ignoriert es einfach. Hochdeutsche hingegen sehen Bayern meist als ungehobelt, wenn nicht sogar unzivilisiert. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Bayern sind mindestens so unkultiviert wie Hochdeutsche eingebildet. Urteilt selbst...
Nun zum dritten Teil: die Landschaften. Wenn jemand Bayern hört, denkt er an Berge, frische Luft und... Kühe. Womit dieser auch Recht hat, nur über die angeblich so frische Luft lässt sich manchmal streiten. Nun stelle man sich vor, ein Mensch kommt hierher, der es gewohnt ist, 10 km zu Hause mit dem Fahrrad zu fahren ohne aus der Puste zu kommen. Dieser besagte Mensch würde allein beim Anblick vom Lusen umkippen. Im nächsten Gasthaus möchte er dann ein Glas erfrischende Milch trinken und fragt aufgeregt, ob sie von einer echten bayerischen Kuh stammt. Dass er als Antwort bekommt, er irre sich, die Kühe hier seien Lila und würden Kakao geben und seine Milch würde natürlich aus einem Tetrapack stammen, dürfte ihn dabei etwas enttäuschen, wobei er den grinsenden Blick des Wirts und die Worte „typisch a Preiß“ nicht mehr bemerkt.

Abschließend kann man sagen, dass Bayern unheimlich gemütliche und zum größten Teil sehr sympathische und humorvolle Zeitgenossen sind. Natürlich gibt es Ausnahmen, wie überall. Und wie schon erwähnt... man gewöhnt sich an alles.

22.7.05 17:39

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